Durch das Land des "Weißen Goldes" in den Steinwald

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In der Form eines riesigen, nach Nordosten offenen Hufeisens erstreckt sich das Fichtelgebirge zwischen Hof, Bayreuth und Weiden. Die Höhenzüge bestehen aus Granit, über die der Fränkische Gebirgsweg in großem Bogen führt. Quer durchs Fichtelgebirge verläuft eine Sprachgrenze: Im Nordwesten spricht man noch fränkischen Dialekt, im Südosten eine oberpfälzische Mundart.

Von Münchberg aus führt der Fränkische Gebirgsweg zunächst in südlicher Richtung nach Kleinlosnitz, wo das Oberfränkische Bauernhofmuseum einlädt, zwei originalgetreu erhaltene historische Höfe zu erkunden. Auf der nächsten Etappe nach Zell wandert man auf den Spuren eines berühmten deutschen Naturforschers: Alexander von Humboldt berichtete im Jahre 1797 über die magnetische Anomalie des Haidbergs. Wer einen klassischen Kompass mit sich führt, wird feststellen, dass das dunkle Serpentinit-Gestein die Magnet-Nadel abzulenken vermag.

Das Fichtelgebirge ist eine europäische Hauptwasserscheide, die manchmal als „Nabel Deutschlands“ oder „Herzbrunnen Europas“ umschrieben wird. Vier bedeutende Flüsse entspringen an den Hängen des Granitgebirges und streben jeweils einer anderen Richtung zu: die (Sächsische) Saale nach Norden, die Eger und ihr Nebenfluss Röslau nach Osten, die Fichtelnaab nach Süden sowie der Weiße Main nach Westen.

Der Fränkische Gebirgsweg führt direkt zu drei dieser Quellen, die vierte ist über einen kurzen Abstecher zu erreichen. Beim Aufstieg zum Gipfel des 877 Meter hohen Großen Waldsteins gelangen die Wanderer am Nordwest-Hang zur Saale-Quelle, die in einem alten Bergwerksstollen entspringt.

Dass im Fichtelgebirge einst Braunbären zu Hause waren, führt der aus Granitsteinen gemauerte Bärenfang aus dem Jahre 1656 unterhalb des Waldstein-Gipfels eindrucksvoll vor Augen. 1760 soll hier der letzte Bär gefangen worden sein. Neun Jahre später wurde der bislang letzte Artgenosse aus dem Fichtelgebirge bei Vordorf erschossen. Immerhin ist heute der Luchs im Fichtelgebirge wieder heimisch.

Auf einer Reihe von Berggipfeln des Fichtelgebirges thronten einstmals kleine Burgen, an die heute noch einige Ruinen erinnern. Das „Rote Schloss“ auf dem Waldstein aus dem 14. Jahrhundert wurde 1523 in der Fehde mit dem Schwäbischen Bund zerstört. Am Aussichtspavillon auf der sogenannten Schüssel, einer kesselartigen Vertiefung auf dem höchsten Waldstein-Felsen, besticht das Fichtelgebirgs-Panorama: Hinter dem blau schimmernden Weißenstädter See erheben sich der Schneeberg, der Ochsenkopf und die Kösseine.

Der Fränkische Gebirgsweg führt nun zunächst weiter über die nördlichen Gipfel des Fichtelgebirges. Am 798 Meter hohen Epprechtstein bei Kirchenlamitz lohnen sich Rundgänge auf dem Steinbruch-Wanderweg oder auf dem Kartoffel-Lehrpfad, der an die erste Kultivierung der Erdfrüchte in Deutschland bei Pilgramsreuth ab dem Jahre 1647 erinnert. Auf dem 827 Meter hohen Großen Kornberg bietet die 26 Meter hohe Schönburgwarte einen Rundblick über weite Teile Oberfrankens bis in die nördliche Oberpfalz und nach Sachsen.

Die nächste Etappe bis nach Arzberg verläuft durch das Land des „Weißen Goldes“, wie man das Porzellan zuweilen zu nennen pflegt. Nach der Entdeckung der Kaolinvorkommen Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in Selb, Hohenberg an der Eger, Arzberg und Schirnding namhafte Porzellanfabriken. Zwei Abstecher lohnen sich hier besonders: Im Selber Ortsteil Plößberg beleuchtet das Europäische Industriemuseum für Porzellan als „Museum zum Anfassen“ alle relevanten technischen Aspekte. Und in Hohenberg an der Eger präsentiert das Deutsche Porzellanmuseum keramische Kunstwerke aus verschiedenen Epochen.

An der nach Nordosten geöffneten Seite des granitenen Hufeisens lädt der Fränkische Gebirgsweg zu einem Streifzug durch das 250 Hektar große Naturschutzgebiet des Egertals ein. Bei einer Sandinsel inmitten der aufgestauten Eger sind Hunderte von Wasservögeln zu sehen. Mit einem Fernglas lassen sich unter anderem Blesshühner, Stock- und Tafelenten und Reiher beobachten.

In Arzberg trifft man abermals auf die Spuren Alexander von Humboldts, nach dem hier ein Bergbau-Lehrpfad durch ein ehemaliges Eisenerz-Revier benannt ist. Im Naturschutzgebiet „G’steinigt“ erleben die Wanderer den eindrucksvollen Durchbruch der Röslau durch das harte Phyllit-Gestein.

Der große Bogen durch das Fichtelgebirge führt im Südosten bis ins Stiftland, das bereits zur nördlichen Oberpfalz gehört. Die Etappe nach Waldsassen, dem östlichsten Punkt des Fränkischen Gebirgswegs, erschließt dem Wanderer Kirchenbaukunst in höchster Vollendung: Die Wallfahrtskirche Kappl spiegelt in der Außen- und Innenarchitektur die göttliche Dreifaltigkeit wider. Und die berühmte Basilika Waldsassen gilt als eine der großartigsten Barockkirchen Bayerns. Bei Führungen erhalten die Besucher Einblicke in die größte Krypta Deutschlands sowie in die kunstvoll geschnitzte Klosterbibliothek.

Über weite offene Fluren und schließlich durch tiefe Wälder heißt es nun, den Steinwald zu durchstreifen, dessen Granite jünger und weniger hart als die des Fichtelgebirges sind. Der Name dieses Mittelgebirges leitet sich nicht von den vielen Felsen ab, sondern vom ehemaligen Herrschaftssitz Burg Weißenstein. Der Fränkische Gebirgsweg führt über die höchste Erhebung des Steinwaldes - über die 946 Meter hohe Platte - und leitet weiter westlich schließlich in den südlichen Höhenzug des Fichtelgebirges über.

  • Länge:

    125 km

  • Aufstieg:

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    Abstieg:

  • OVL

    GPX