Durch das Land des "Blauen Goldes"

Den Wechsel von tief eingeschnittenen Tälern und sanft geschwungenen Hochflächen erleben Wanderer im Frankenwald. Schiefer und Vulkangesteine des Erdaltertums prägen die Region, in der die Menschen einst vom Bergbau, von der Flößerei und der Handweberei lebten. Der Schiefer, das „Blaue Gold“ des Frankenwaldes, dominiert als typische Dach- und Wandbedeckung noch heute das Bild vieler Dörfer und Städte.

Der Fränkische Gebirgsweg beginnt in Untereichenstein im Tal der Selbitz, wenige hundert Meter bevor diese in die Saale mündet. Der einstige Todesstreifen an der früheren Zonengrenze, in dem die DDR-Grenztruppen bis 1989 Schießbefehl hatten, ist heute Teil des „Grünen Bandes“, eines Biotopverbundes, der sich quer durch Deutschland erstreckt und in dem seltene Tier- und Pflanzenarten ein wertvolles Rückzugsgebiet gefunden haben. Die beiden ersten Kilometer führen zunächst über die Selbitzbrücke nach Blankenstein und auf thüringischer Seite unmittelbar entlang der Saale bis nach Blankenberg. Der Wanderer erfährt hier viel Wissenswertes aus der Zeit des geteilten Deutschlands, von Fluchtversuchen, Zwangsaussiedlungen und abgerissenen Häusern auf thüringischer Seite.

Bei Blankenberg gelang nach der Wiedervereinigung im wahrsten Sinne des Wortes ein Brückenschlag in eine neue Zeit: Eine alte Stahlfachwerkbrücke, die zuvor die Saale bei Blankenstein überspannt hatte und die dort ausschließlich von den DDR-Grenztruppen befahren werden durfte, wurde in den neunziger Jahren zwei Kilometer flussaufwärts versetzt. Heute verbindet diese Brücke Thüringen mit Franken – für Fußgänger, Radfahrer und Wanderer auf dem Fränkischen Gebirgsweg.


Riesige Blöcke vulkanischen Diabas-Gesteins säumen die enge Schlucht des Kemlas-Tales, über das bald das gleichnamige Dorf erreicht ist. Man kann sich heute kaum vorstellen, dass die nun folgenden Ortschaften Issigau, Selbitz und Schauenstein vor fünf bis sechs Jahrhunderten kleine, eigene Herrschaftsgebiete waren. Die Schlösser erinnern an jene Zeit, als der Frankenwald territorial noch völlig zersplittert war.

In Issigau - „Nissja“, wie die Einheimischen ihren Ort nennen - lohnt sich ein Besuch der Simon-Judas-Kirche. Zu den kunsthistorischen Besonderheiten dieser evangelischen Kirche zählen die Kassettendecke mit 66 Tafelbildern aus dem frühen 18. Jahrhundert und eine Darstellung der Heiligen Barbara - der Schutzheiligen der Bergleute. Aus dem Tal des Issigbaches führt der Fränkische Gebirgsweg über eine Anhöhe, die den Blick nach Südwesten auf den höchsten Gipfel des Frankenwaldes freigibt: den 794 Meter hohen Döbraberg bei Schwarzenbach am Wald, eine Kuppe aus hartem Kieselschiefer-Gestein.

Beim Abstieg ins Tal der Selbitz zur gleichnamigen Stadt erkennen die Wanderer erstmals das „Hohe Fichtelgebirge“ am Horizont. In Selbitz lockt das „Lokland“, eine der größten Modelleisenbahnanlagen Deutschlands, kleine und große Fans an. Ohne es eigentlich genau zu bemerken, verlässt der Wanderer nun das Schiefergebirge, um bei Schauenstein den Rand der Münchberger Gneismasse zu erreichen, die wiederum ohne markante landschaftliche Grenze ins Fichtelgebirge überleitet. Schloss Schauenstein ist das Domizil des Oberfränkischen Feuerwehrmuseums und beherbergt zugleich ein sehenswertes Heimatmuseum, in dem das Leben und Arbeiten der Frankenwäldler vor rund einem Jahrhundert dargestellt ist.

Weiter führt die zweite Etappe im Frankenwald über Laubersreuth zum Aussichtsturm auf dem Rohrbühl. Wie auf dem Präsentierteller erscheinen nun die Gipfel des Hohen Fichtelgebirges, die in eine völlig andersartige Landschaft einladen. Mit Münchberg erreichen die Wanderer das nächste Etappenziel.

  • Länge:

    39 km

  • Aufstieg:

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    Abstieg:

  • OVL

    GPX